Netzwerk mal anders: Mitglieder vorgestellt
Netzwerktreffen

Netzwerk mal anders: Mitglieder vorgestellt

Interview mit Birgit Léona Krengel, unsere Assistenz und Mitglied im BVEP e.V.

In dieser von uns frisch erfundenen Form eines „Fast-schon-so-nah-wie-ein-Netzwerktreffen“ stellen wir in einem ausführlichen Interview Birgit Léona Krengel vor: Eutoniepädagogin, Entspannungspädagogin, Ausbilderin und seit vielen Jahren engagiertes Mitglied des BVEP. Ihre berufliche Geschichte ist geprägt von Körperarbeit, persönlicher Entwicklung und dem Wunsch, Menschen in ihre eigene Balance zu begleiten.

Persönlicher Hintergrund

Wie bist du ursprünglich zur Entspannungspädagogik gekommen?

2004 erhielt meine Mutter die Diagnose Alzheimer. Die Betreuung war intensiv und emotional sehr fordernd. Auf der Suche nach einem Ausgleich stieß ich in einer Zeitschrift auf die Ausbildung zur Entspannungspädagogin an der Reformhaus‑Fachakademie in Oberursel. Die Anzeige hat mich sofort berührt, dass ich mich direkt anmeldete. Das war der Beginn eines neuen beruflichen Weges.

Welche Ausbildungen und beruflichen Stationen prägen deinen Weg bis heute?

Nach meiner Ausbildung zur Industriekauffrau habe ich das Abendgymnasium abgeschlossen und anschließend eine Ausbildung zur Tanzpädagogin und Choreografin in Frankfurt begonnen. Weiterbildungen im Orientalischen und klassischen indischen Tanz vertieften meine körperorientierte Arbeit. Mit der Zeit wuchs der Wunsch, selbst Ausbildungen anzubieten. Nach der Entspannungspädagogik folgte die Ausbildung zur Eutoniepädagogin und ‑therapeutin nach Gerda Alexander. Seit 2019 biete ich die Eutonie als eigenen Ausbildungsgang an. Seit 2011 arbeite ich in eigener Praxis, gebe Seminare, Bildungsurlaube, Kurse und begleite Menschen einzeln.

Welche Werte und Überzeugungen begleiten dich in deiner Arbeit mit Menschen?

Ganzheitlichkeit ist für mich zentral. Es erfüllt mich, Wissen zu vermitteln und Menschen darin zu unterstützen, sich selbst wahrzunehmen. Wenn ein Mensch spürt, wie er steht, im Körper wie im Leben, können seine Handlungen klarer beginnen.

Engagement im Verband

Was hat dich motiviert, dich im Vorstand des BVEP zu engagieren – und seit wann bist du dabei?

Nach Abschluss unserer Ausbildung als Entspannungspädagog:innen entstand aus unserer Gruppe heraus die Idee, einen Verband zu gründen. Im Herbst 2009 wurde der Bundesverband für Entspannungspädagogen ins Leben gerufen. Ich war Gründungsmitglied. Seit 2010 bin ich dabei: zunächst als Beisitzerin, später einige Jahre in der Vorstandsarbeit, und aus dem Bundesverband wurde ein Berufsverband.

Welche Aufgaben übernimmst du im Verband?

Zu Beginn lag mein Schwerpunkt im Netzwerken. Wir hatten mehrere aktive Netzwerkregionen in Deutschland, die von den Mitgliedern sehr geschätzt wurden. Der persönliche Austausch, kollegiale Unterstützung und das gemeinsame Diskutieren aktueller Themen waren ein fester Bestandteil dieser Treffen. Durch Corona sind diese Strukturen leider eingebrochen und werden bis heute kaum genutzt, auch online nicht. Später habe ich die Aufgabe der Kassenwartin übernommen. Seit 2022 bin ich mit einem kleinen Minijob für Zahlungsverkehr und Büroorganisation im Berufsverband tätig.

Haltung zur Entspannungspädagogik

Was bedeutet Entspannungspädagogik für dich in einem Satz?

Menschen wertschätzend und neutral zu begleiten, während sie Methoden erlernen, die sie befähigen, eigenverantwortlich für ihre Work‑Life‑Balance zu sorgen.

Welche Rolle spielt Entspannungspädagogik heute?

Trotz der großen Vielfalt an Entspannungsangeboten ist die Entspannungspädagogik als Beruf noch nicht anerkannt. Unsere Gesellschaft ist weiterhin stark leistungsorientiert. Dass Methodenwissen im Umgang mit Krisen und Herausforderungen essenziell ist, wird oft übersehen. Hier braucht es mehr Öffentlichkeitsarbeit und Anerkennung. Gesundheit ist mehr als ein Arztbesuch. Sie beginnt bei der Fähigkeit, sich selbst zu regulieren.

Wie haben sich die Entspannungspädagogik und die Mitglieder verändert?

Das Fachwissen ist deutlich breiter geworden. Unsere heutigen Mitglieder verfügen über fundierte Ausbildungen und arbeiten sehr professionell. Früher wurde die Entspannungspädagogik oft als Ergänzung zu einer nebenberuflichen Tätigkeit gewählt. Heute haben wir viele Mitglieder, die selbstständig sind oder im Gesundheitsbereich hauptberuflich arbeiten und Entspannungsmethoden fest integriert haben. Die Angebote reichen von bewegter Entspannung, Achtsamkeit und Mentaltraining bis hin zu Supervision, Coaching und psychologischer Begleitung.

Wo siehst du die Entspannungspädagogik in den nächsten Jahren?

Entspannungspädagogik wird sich weiter ganzheitlich ausrichten. Entspannung findet sich nicht nur auf der Matte, sondern in Bewegung, Körperbewusstsein und Gesundheitskompetenz. Es geht darum, Menschen umfassend in ihre Eigenverantwortung zu begleiten. Ich sehe eine stärkere Vernetzung mit anderen körperorientierten Methoden und eine breitere Positionierung im Gesundheitsfeld.

Persönlicher Abschluss

Was unterstützt dich im Alltag dabei, selbst in Balance zu bleiben?

Als Eutoniepädagogin ist es für mich essenziell, regelmäßig wahrzunehmen, wie es mir geht, was ich brauche und wo meine Grenzen liegen. Meine eigenen Körperräume zu spüren hilft mir, meine Arbeit klar und gesund zu gestalten.

Welche kleine Entspannungsroutine empfiehlst du und warum?

Im Stehen oder Sitzen die gesamte Rückseite des Körpers an eine Wand oder Stuhles in Berührung zu spüren und sich sanft zu rubbeln, zum Schluss auch die Füße einzubeziehen. Diese kleine Übung erinnert täglich daran, dass wir uns nicht nur nach vorne ziehen lassen, sondern dass Aufrichtung und Haltung von innen kommen. Die Wirbelsäule bewusst wahrzunehmen stärkt Stabilität und Präsenz.

Für die Mitglieder

Was möchtest du den Mitgliedern des BVEP mit auf den Weg geben?

Der Berufsverband lebt vom aktiven Miteinander. Er ist kein reines Register, in dem man nur gelistet ist. Viele von uns arbeiten als Einzelunternehmer:innen, und dabei gerät leicht in Vergessenheit, wie wertvoll kollegialer Austausch ist. Netzwerken bedeutet: ein geschützter Raum für Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe, um Entscheidungen zu reflektieren. Gemeinsame Projekte machen sichtbar und flexibel. Und der Zugang zu Expert:innen im Verband ermöglicht unkomplizierte Unterstützung, wenn sie gebraucht wird.

 

Das Interview führte Sabine Helm-Schmidt

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Sabine Helm-Schmidt

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